Was bedeuten Tod und Sterben?

Der Tod ist die unabdingbare Rückseite unseres Lebens, die – so lange wir leben – abwesend ist. Der griechische Philosoph Epikur (341-270 v. Chr.) sah darin einen Trost, der uns zu mehr Gleichmut verhelfen kann: „Das schauerlichste Übel also, der Tod, geht uns nichts an; denn solange wir existieren, ist der Tod nicht da, und wenn der Tod da ist, existieren wir nicht mehr." Das mag logisch betrachtet zunächst überzeugen, gleichwohl ist der Tod gerade in seiner Abwesenheit, die zu einer unausweichlichen Anwesenheit wird, für viele bedrohlich.

Der Tod erscheint als bloße Negation von allem, was wir kennen, weder können wir ihn gestalten noch erfahren. Für den französischen Philosophen Jean-Paul Sartre (1905-1980) liegt der Tod zwar außerhalb unserer Möglichkeiten, die Freiheit, unsere Existenz durch die Wahl unserer Handlungen zu entwerfen jedoch nicht. Dadurch sind wir in der Lage zu bestimmen, wer wir als Anwesende im Leben sein wollen und damit auch, wer wir als Abwesende für unsere Nachwelt gewesen sein wollen.

Biologisch gesehen resultiert unsere Sterblichkeit aus der Tatsache, dass wir als menschlicher Organismus ein offenes, verletzliches System sind, das ein begrenztes Potenzial zellulärer Erneuerung hat. Diese limitierenden Bedingungen unserer Existenz verleihen auf der anderen Seite dem menschlichen Leben erst seinen Wert und Sinn. Wären wir nicht sterblich, so gäbe es in unserem Leben keine wahrhaftigen Anfänge, Neues oder Einmaligkeit mehr. Ein solches „erstarrtes“ Leben ähnelte dem, was wir Menschen gemeinhin am meisten fürchten: den Tod.

 

© Dirk Büsken